Montag, 15. September 2014

El Gouna / Ägypten 2006 - Teil I


Nach unserem ersten gemeinsamen Urlaub auf dem nördlichen Teil des afrikanischen Kontinentes in Tunesien wollten wir diesmal nach Ägypten.

Mich hat es aufgrund des geschichtlichen Hintergrundes immer schon nach Ägypten gezogen, aber bisher ehrlich gestanden nicht getraut, dort auch einen Urlaub zu verbrinden. Nicht zuletzt aufgrund der angespannten politischen Situation und der Jahre zurück liegenden Attentate in den Touristenzielen. Claudia war ebenso wie ich von der Geschichte Ägyptens fasziniert und wir wollten dieses an sich sehr interessante Land nunmehr doch endlich selbst "erleben". Allerdings sollte dies ein reiner Erholungsurlaub werden und ein Besuch von historischen Stätten sollte für spätere Urlaube aufgespart werden.

Meine Lebensgefährtin Claudia war mehr so die treibende Kraft beim Aufstöbern von interessanten Reiseangeboten und ich muss zurückblickend schon gestehen, sie lag an sich nur einmal bisher „daneben“, aber zu diesen Urlaub dann später in einem anderen Reisebericht mehr.
 
Nicht zuletzt auch aufgrund diverser Berichte über einen besonderen Urlaubsort am Roten Meer in Ägypten und dass man dort offensichtlich auch seine absolute Erholung, Ruhe und Entspannung finden könnte, entschlossen wir uns zu einem Urlaub in El Gouna. Aus den bisherigen Reportagen und Berichten schien es ein regelrechtes Kleinod am Roten Meer zu sein, welches u.a. auch über seine eigenen Regeln verfügte; z.B. im Punkto Sicherheit. Zudem war eines der Merkmale, dass man bei der Architektur auf aufgelockerte Strukturen mit nubischen Einflüssen Wert legte und keine „Hotelburgen“, wie in Hurghada zuließ. Wir waren sehr gespannt, ob die Reportagen der Wahrheit entsprachen.

So kam es dann, dass Claudia eine günstige 9tägige Reise mit All Inclusive ins Rihana Inn, welches von Hause aus zu einer belgischen Hotelkette gehörte, für uns buchen konnte.

Unser Reisetermin war der 12.03.-21.03.2006 und unser Abflughafen Düsseldorf mit der Fluglinie Air Berlin. Da wir bereits um 04.30 Uhr die S-Bahn nach Düsseldorf nehmen mussten, um frühzeitig am Flughafen zu sein, entschlossen wir uns die Nacht regelrecht durchzumachen. Zum einen waren wir beide irgendwie nervös und zum anderen hatten wir die Sorge, dass wir trotz mehrerer Wecker dann doch verschlafen würden. Dieser Gefahr wollten wir uns nicht aussetzen, da wir uns sehr auf die Reise freuten.

So kam es dann, dass wir beide mit kaum Schlaf und 2 schweren Koffern bepackt die S-Bahn in Wuppertal bestiegen. Meine liebste Claudia hat zu meinem Leidwesen ein Foto in der Bahn von mir geschossen, welches meine müde Stimmung recht gut einfing. 

Im HBF Düsseldorf angekommen mussten wir dann den Zug zum Flughafen nehmen. Als wir diesen dann betraten und er auch pünktlich losfuhr, waren wir guter Laune, da die Deutsche Bahn leider manchmal eine unbekannte Variabel darstellt, wenn man pünktlich bzw. rechtzeitig einen Ort erreichen möchte. Aber in diesem Fall lief alles perfekt.

Am Flughafen ankommend checkten wir am entsprechenden Schalter ein und nachdem wir uns mit ein wenig Literatur eindeckten, gingen wir durch die Sicherheitskontrolle, um dann am Gate auf das Boarding zu warten. Da an unserem Gate direkt unsere Maschine stand, war es schon interessant, dass man ein geschäftiges Treiben von Mechanikern sehen konnte. Dabei sagte ich so beiläufig zu Claudia, ich glaube unsere Maschine startet später. Sie sah mich an und sagte, dass ich keinen Teufel an die Wand malen solle. Ich stelle mir das gerade bildlich vor… Tom malt mit einem roten Edding einen Teufel an die Wand. Als dann unsere Boardingzeit gekommen war, leuchtete aber die entsprechende grüne Lampe nicht auf, sondern es erklang die Stimme einer Mitarbeiterin von Air Berlin, dass sich aufgrund eines technischen Defektes das Boarding und somit der Abflug verzögern würde. Es vergingen etwa anderthalb Stunden, als dann doch mal das Boardingzeichen erschien.

Nach etwa 45 Minuten konnten wir dann verriegelt und voller sonnenhungriger Passagiere zur Startbahn rollen. Wo wir dann kurze Zeit darauf abhoben. Unterdessen berichtete uns der Pilot, dass es Probleme mit der Klimaanlage gab und ein neues Gerät eingebaut werden musste. Unsere Maschine war mit Bildschirmen ausgestattet die abwechselnd Werbung, Flugdaten und Flugroute zeigten. So etwa in Höhe Koblenz muss es gewesen sein, als man merkte, dass die Maschine nicht weiter stieg, sondern es wieder etwas nach unten ging. Dann kam auch eine Durchsage vom Piloten, dass es erneut Probleme mit der Klimaanlage gab und man sich entschied, dass wir in Frankfurt landen, damit es zu einer erneuten Reparatur kommt bzw. wir eine Ersatzmaschine erhalten. Wer noch nie geflogen ist, kann evtl. nur schwer nachvollziehen, wie interessant es sein kann, wenn man auf den Bildschirmen sieht, wie die Maschine Kreise zieht und eine Flugroute einschlägt, die in die entgegen gesetzte Richtung ging. Und so war es: Aufgrund dessen, dass in Frankfurt kein Platz für unseren Flieger zu finden war, wurden wir nach Hannover umgeleitet. Da sagte ich dann zu Claudia, ob wir heute überhaupt noch in El Gouna ankommen und ich bekam nur ein „Man sei ruhig“ zu hören.

Als wir uns im Landeanflug auf den Flughafen Hannover befanden konnten wir sehen, wie Rettungswagen sowie ein Löschzug mit Blaulicht an der Landebahn standen und nach dem Aufsetzen unserem Flieger zur Parkposition folgten. Ich dachte mir dann so im Geheimen: Ich bin noch nie über eine Notrutsche aus einem Flieger raus. Aber wir durften dann doch über die Treppe heraus. Im Nachhinein dachte ich dann so, dass ich es evtl. hätte aussprechen sollen, damit es dann eintritt, da es ein Erlebnis gewesen wäre. Aber bei allem Spass, es war schon ein etwas mulmiges Gefühl, wenn man so die Wagen mit Blaulicht dort stehen sah.

Wir wurden dann in einem Saal eines am Flughafen direkt gelegenen Hotels „geparkt“. Leider war der Informationsfluss arg dürftig und nach einigen Stunden des Wartens wurden wir dann wieder in den Flughafen gebracht. Da keine „frische“ Maschine zur Verfügung stand, die uns nach Ägypten bringen konnte, mussten wir auf die Ankunft einer anderen Maschine warten, die von den Balearen kam.

Mittlerweile machte sich auch die Müdigkeit breit, die der regelrecht durchgemachten Nacht geschuldet war und wir waren froh, als wir dann endlich in der Maschine Platz nehmen konnten und Richtung Hurghada flogen. Trotz allem Stresses und der nicht unbegründeten Sorge, dass es noch zu weiteren Verzögerungen kommen würde, war es ein schöner Anblick bei Dunkelheit übers Mittelmeer und dann Kairo zu fliegen… und nun geh ich schlafen und die Fortsetzung folgt….. :-)

Kommentare:

  1. Hey,
    sehr spannend und unterhaltsam geschrieben!
    Ich bin kein Freund von Pauschalreisen, da mir hier das Abenteuer fehlt.
    Das schien bei euch ja eher weniger der Fall zu sein. Bestimmt ein komisches Gefühl, wenn die Maschine wegen einem technischen Defekt landen muss.

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  2. Mir hätte der Beginn der Reise nicht so ganz gefallen. Ich habe sowieso immer ein mulmiges Gefühl beim Fliegen. Geschieht dann noch was außergewöhnliches.. geht meine Phantasie mit mir durch. Aber ihr seid ja glücklich angekommen. lg

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