Freitag, 6. April 2018

Chico - ein Schicksal, welches bewegt...



Mittlerweile kennt so manch einer die Geschichte von Chico, dem 8 jährigen Staffordshire-Terrier aus Hannover, der seine Halter in der eigenen Wohnung totgebissen hat. Seit heute ist es amtlich, dass er für seine Tat eingeschläfert werden soll. Machen wir es uns wirklich so einfach? Spielen wir Menschen nun mal wieder die „ich Mensch – Du Tier“-Karte aus, ohne Menschlichkeit walten zu lassen? Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, dass er zwei Menschen umgebracht, aber...

Mir liegt ein Artikel der Süddeutschen Zeitung vor, wonach das Tier bereits 2011 auffällig wurde und nach einem Hinweis des Amtsgerichts hätte es begutachtet werden müssen, ob eine Tiervermittlung überhaupt möglich sei. Dies wurde unterlassen. Also offenkundig ein Behördenfehler, wodurch das Tier dann trotz des amtsgerichtlichen Hinweises in die Vermittlung kam. Wir halten einmal fest: Versäumnis einer Behörde, die von Menschen geleitet wird.

Nachdem das Tier zu der im Rollstuhl sitzenden 54jährigen Mutter und ihrem schwer kranken Sohn kam, wurde er in einem Metallkäfig im Zimmer des Sohnes gehalten.

Kurzer Cut: Mich verwundert es schon sehr, dass das Tier hier überhaupt in diese Familie vermittelt wurde. Denn jeder der schon einmal Hunde und Katzen aus einem Tierheim geholt hat, weiss, welche teils engen Rahmenbedingungen für eine Abgabe gelten – okay, möglicherweise gab es die damals nicht, kann ich nun nicht beurteilen, aber man sollte hier auch mal genauer nachhaken.

In der Folgezeit kam es zu Beschwerden und Meldungen, wonach eine Vernachlässigung des Hundes vorliegen sollte (u.a. Haltung im Zimmer, Verrichtung des Geschäfts auf dem Balkon und Bellerei). Hierdurch wurde der örtliche Tierschutzverein in den Jahren 2014 und 2016 bei der Familie vorstellig. Es konnten jedoch offensichtlich keine Anhaltspunkte gefunden werden, die die Meldungen bestätigten.

Soviel zu der Vorgeschichte… und warum muss nun Chico eingeschläfert werden?
- für ein Versäumnis einer Behörde
- offensichtlich bei Abgabe vorliegender lascher Rahmenbedingungen, ohne genaue Prüfung der örtlichen Wohnsituation
- falscher Haltung des Hundes

…und vielleicht auch, weil er die Gene eines Staffordschire-Terriers besitzt und solche Hunde per se als Kampfhunde verschrien sind. Hier muss ich selber eingestehen, dass ich bis vor ein paar Jahren immer einen Bogen um diese Hunderasse gemacht habe, aber dieses falsche Bild habe ich mittlerweile revidiert. Denn bei unseren Hunderunden mit unserer Hündin Bella treffen wir auch auf so manche „Kampfhunde“ und sie sind Hunde wie alle andere :-). Wir Menschen sind eher jene, die aus den Hunden leider oftmals „Waffen“ machen.

Nach dem, was Chico durchmachte und bislang erlebte muss er nun für menschliches Versagen büßen. Ich sage dazu eindeutig und in klaren Worten NEIN. 

Versetzen wir uns doch mal in die Lage des Hundes und dem was er dort in der Familie mitmachen musste, offensichtliche Käfighaltung, seltene Spaziergänge und dadurch auch offensichtlich bedingt seltene bis gar keine sozialen Hundekontakte - würden wir da nicht auch einen Koller bekommen? Kommt nahezu einer Haltung in einer Einzelzelle über Jahre gleich. Der Gedanke, wie das Tier dort ganz offensichtlich gehalten wurde, stimmt mich traurig und noch trauriger, dass er durch diese Morde einen regelrechten Hilfeschrei absetzte. 

Im Übrigen weiss KEINER, wie es zu den Morden kam und was der genaue Auslöser genau dann war und da halte ich es eher mit dem Rechtsgrundsatz In dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten. Dass der Hund gemordet hat, ist wohl zweifelsfrei durch die Obduktion erwiesen worden, aber man sollte alle Gegegenheiten berücksichtigen. Ob eine klare Tötungsabsicht seinerseits vorliegt.... waren wir zu dem Zeitpunkt dabei?

Wenn wir nun aber Chico durch einen Menschen ersetzen, der jahrelang in seiner eigenen Familie so gehalten worden wäre und er dann irgendwann seine Peiniger umbringt, um einen Schlusspunkt zu setzen - bringen wir den dann auch um? Oder haben wir dann Mitleid und versuchen ihm jegliche erdenkliche Hilfe dann zukommen zu lassen? Denke schon oder? Aber er ist ja ein Hund und so was kann man "entsorgen"....
Es gibt derzeit eine Petition für Chico, die ich selber auch unterstütze – es wäre zu wünschen, dass sie Erfolg hat (>>>>Link<<<<), so dass sich Menschen mit Erfahrung um dieses Tier kümmern können und nicht ein Arzt mit einer Spritze...

Man sollte wirklich derart handeln, dass man dem Tier noch eine Chance gibt, sich wirklich zu zeigen wie er ist und in wirkliche Expertenhände gelangt oder einem Verein, der sich um solche Tiere kümmert.


Euer Tom 

Quelle: Hier ist noch der Link zum Artikel in der Süddeutschen Zeitung



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